Chancen des demografischen Wandels

Wiederbelebung der Quartiere

Es gilt, das Quartier wiederzubeleben. Die Wohnungswirtschaft kann hier lokale Netzwerke initiieren, stärken und unterstützen. Diesen Netzwerken aus gewerblichen Anbietern sowie Akteuren der Sozialwirtschaft (z.B. Kontaktnetzwerke, ambulante Pflegedienste etc.) muss die Wohnungswirtschaft sprichwörtlich „Raum“ geben.  Hier können in unterschiedlichsten Organisationsformen Quartierstreffpunkte entstehen, die beispielsweise als Begegnungsorte sowohl soziale als auch Versorgungsfunktionen übernehmen. Weiter gedacht, führt dies hin zum Quartiersconcierge, der Pakete entgegennimmt und sich um die Verteilung von Medikamenten (Apotheken-Bringdienst) kümmert. […]

Über eine für das Quartier zuständige Beratungs- und Servicestelle sollten alle von Mietern gewünschten und individuellen Leistungen als individuelles Servicepaket abrufbar sein. Gleichzeitig können Mieter sich im Rahmen einer Beratung über Leistungen und Angebote beispielsweise der Pflegeversicherung informieren. Zu dem Angebot der Beratungs- und Servicestelle sollten soziale und haushaltsnahe Dienstleistungen, alltagsunterstützende Betreuungsleistungen, Gesundheitsleistungen sowie ein Fallmanagement für komplexe Versorgungssituationen einzelner Menschen gehören. Die Beratungs- und Servicestelle dient somit als kompetente Ansprechpartnerin, koordiniert ehrenamtliche und professionelle Hilfen und Leistungen für Mieter und sorgt für eine stetige Vernetzung von bereits vorhandenen, jedoch häufig isoliert agierenden Angeboten und Akteuren im Quartier. […]

Nur wenn Quartiere in ausreichender Anzahl eine geschlossene, ambulante Versorgungskette aufweisen, kann die Gesellschaft auf Dauer einen Versorgungsnotstand in der Pflege verhindern.    

Auszug aus: Zentraler Immobilien Ausschuss e.V. (Hrsg.): „WohnenPlus“ – Perspektiven der Immobilienwirtschaft, Berlin, 2016

Medizinische und pflegerische Betreuung im Alter

"Der demografische Wandel, der in Deutschland bereits weit fortgeschritten ist, trägt dazu bei, dass Deutschland eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung und Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen der Gesundheitswirtschaft einnimmt. Diesen Vorsprung sollte die Gesundheitswirtschaft auch im internationalen Geschäft ausspielen und die Chancen, die die wachsenden Märkte weltweit bieten, nutzen. Denn auch viele andere europäische Länder erleben eine Verschiebung ihrer Altersstrukturen, das gleiche gilt mit Blick auf Länder wie China, Indien und Japan. Hier liegen Exportchancen, die die Betriebe nutzen müssen. Die Pionierrolle, die Deutschland einnehmen kann, umfasst dabei auch spezifische Angebote und Geschäftsfelder für alternde Gesellschaften. [...]

Der demografische Wandel wird eine wachsende Nachfrage nach Gesundheitsleistungen mit sich bringen und eine Vielzahl von Chancen und Geschäftsfeldern eröffnen. Zu diesen neuen Feldern gehören beispielsweise Bereiche wie Unterstützungs- und Assistenzsysteme, die das Wohnen im Alter zu Hause erleichtern. Denn es wird immer mehr ältere Menschen geben, die zudem in der ganz überwiegenden Zahl gerne so lange wie möglich im eigenen häuslichen Umfeld wohnen möchten, auch wenn sie bereits intensivere medizinische und pflegerische Betreuung benötigen. Damit wird etwa der Bereich der elektronischen Betreuung, Überwachung und der Kommunikation wichtiger werden. Hierzu gehört aber auch insgesamt der Bereich des seniorengerechten Wohnens."

Textauszug aus einem Positionspapier des Deutschen Indistrie- und Handelskammertages (DIHK) vom 16. November 2011: "Demografischer Wandel und Gesundheitswirtschaft - Herausforderungen und Chancen" 

Vernetztes Wohnen im Alter

"Das Konzept des "Vernetzten Wohnens" steht für eine Verbindung von Gebäudetechnik und individuellen Services, um zielgruppengerechte Dienstleistungen im Wohnbereich auf der Basis vorhandener und neuer Technologien zu generieren.

So bieten Dienste, etwa in den Bereichen Sicherheit, Komfort, Energie und Gesundheit, den Wohnungsunternehmen die Chance, Mieter und Genossenschaftsmitglieder - von der jungen Familie bis weit über das Rentenalter hinaus - in den eigenen Beständen zu halten und neue Zielgruppen anzusprechen.

Die häusliche Betreuung und Pflege, vor allem älterer Menschen, sowie der Homecarebereich, bei dem die Behandlung chronischer Erkrankungen durch medizinische Betreuung zuhause unterstützt wird, bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte für Technologien und Services im vernetzten Wohnen.

Mit Angeboten des vernetzten Wohnen kann zum Beispiel eine Verbesserung der postoperativen Nachsorge, die Überwachung chronischer Krankheiten, aber auch die Erfassung von Vitalwerten und Überwachung kritischer Werte sowie die Überwachung der Medikamenteneinnahme und Nachbestellung von Medikamenten ermöglicht werden.

Dabei ergeben sich Win-win-Situationen für Mieter und Genossenschaftsmitglieder, Kranken- und Pflegekassen, Politik, Kommunen, Telekommunikationsbranche, Dienstleister und Wohnungswirtschaft. Entscheidend kommt es darauf an, dass trotz der besonderen Bedeutung des Segments "Ältere" - vor allem im Gesundheitsbereich - allen Generationen die Vorteile und Anwendungsvielfalt des vernetzen Wohnens verdeutlicht werden."

Textauszug aud dem GdW Branchenbericht 4 (2013): "Den gesellschaftlichen und demografischen Wandel aktiv gestalten - Wohnungswirtschaft schafft Zukunft für ein sich änderndes Wohnen"

Der GdW - Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. repräsentiert als größter Branchendachverband rund 3.000 Wohnungs- und Immobilienunternehmen in ganz Deutschland.